Aus alt mach neu!

Heute zeige ich euch mein erstes Großprojekt, auf das ich echt stolz bin. Ich hatte da einen alten Tisch mit Stühlen, das Set Jokkmokk von Ikea. Der Tisch ist extrem klein und so landete er im Keller. Der neue Tisch von meinem Freund ist klobig und hässlich, aber alle Tische die mir optisch gefallen sind deutlich über meinem aktuellen Budget.

Eine Lösung musste her, also überlegte ich mir wie ich meinen alten Tisch vergrößern und gleichzeitig etwas aufmotzen kann.

Ich stöbere ja generell gerne auf Pinterest nach Inspirationen und so entwickelte ich eine Grundidee. Es sollte ein Shabby-Chick-Look werden, aber eine dunkle Tischplatte und dunkle Sitzflächen haben. Hier kommt meine Anleitung für die, die gerne wissen möchten was ich verwendet habe.

Einkaufsliste:

  1. alte Stühle und einen alten Tisch möglichst Naturholz
  2. Tapetenkleister
  3. mehrere Packungen braunes Seidenpapier
  4. schwarzer matter Lack, meiner war von Wilckens (ca. 10 Euro)
  5. Lasurfarbe auf Wasserbasis in der Farbe Ebenholz (bei Hornbach gekauft)
  6. Schleifpapier in verschiedenen Körnungen
  7. Pinsel und Farbrollen
  8. Quick Kreidefarbe Classic für Shabby chic in der Farbe Schnee (ca. 27 Euro)
  9. Quick Möbelwachs in weiß (ca. 12,50 Euro)
  10. eine große Tischplatte oder wie in meinem Fall mehrere Bretter (Zuschnittgröße ist unten aufgeführt)
  11. Ponal Holzleim
  12. weiche Lappen
  13. Boots- und Yachtlack von Clou (ca.16 Euro)
  14. ggfs. Möbelnägel, Zange, Heißklebepistole

Um dem Lack besseren Haftgrund zu geben müssen die Möbel rundherum leicht mit dem Schleifpapier aufgerauht werden. Normalerweise reicht ganz leichtes anschleifen mit Schleifpapier. Ich schleife nicht sonderlich gern, daher habe ich dazu meinen Schwingschleifer verwendet.

Der Originaltisch ist aus Naturholz, ich wollte aber den klassischen Shabby-Chic-Look, bei dem an manchen Ecken und Kanten der Oberlack wie abgeplatzt aussieht und der alte Lack darunter dunkel durch schimmert. Daher hab ich die Stühle und den Tisch mit ausnahme der Oberfläche der Tischplatte in mattem schwarz lackiert. Eine Schicht reichte hier völlig.

 

Meine neue Tischplatte sollte die Maße 160 cm x 90 cm haben. Ich wollte aber keine durchgehende Platte sondern  einzelne Bretter. Daher kaufte ich im Baumarkt zugeschnittene MDF Platten. Meine Zeichnung soll zeigen wie ich die Maße der einzelnen Bretter berechnet habe.

 

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Der ursprüngliche Plan war die neue Tischplatte einfach auf die alte zu schrauben. Da ich mich nun aber für einzelne Bretter entschieden hatte ergab sich ein Problem. Die Abschlussbretter rechts und links hätten keinen Kontakt zur alten Tischplatte und können somit nicht einfach auf den Tisch geschraubt werden. Eine Unterkonstruktion musste her. Ich habe also noch zwei weitere wesentlich dünnere MDF Platten gekauft mit den Maßen 40 cm x 80 cm diese habe ich  später als Stütze für die Holzlatten auf der Originaltischplatte verschraubt.

Hier sieht man die Bretter ausgebreitet auf dem Tisch der entsorgt werden soll, der genau die Maße 90 x 160 hat.

Danach habe ich mich mit den Sitzflächen und der zukünftigen Tischplatte befasst. In meiner Maskenbildnerausbildung haben wir mal Masken aus Seidenpapier gestaltet, die am Ende fast so wirkten als wären sie aus Leder. Einen ähnlichen Effekt wollte ich bei den Sitzflächen und der Tischplatte erreichen. Dazu habe ich etwas Tapetenkleister nach Packungsanleitung angerührt und große Bahnen des Seidenpapiers mit dem Kleber auf die Sitzflächen und die Bretter für die Tischplatte geklebt. Achtung, das Seidenpapier färbt die Hände und alles was mit dem feuchten Papier in Berührung kommt. Das Papier darf ruhig ordentlich Falten werfen, das verstärkt später die Lederoptik, es sollten aber keine Luftblasen entstehen. Ich  musste mehrere Schichten auftragen bis ich ein Ergebnis hatte, das mich zufrieden stellte. Danach müssen die Stuhlflächen und die Bretter über Nacht trocknen.

Wenn die Papierschichten trocken sind müssen die Bretter und Stuhlflächen lasiert werden, damit sie noch etwas dunkler werden. Dazu habe ich die Lasurfarbe ca. 1:1 mit Wasser gemischt und mit einem großen Pinsel direkt auf die Flächen aufgetragen. Danach habe ich alles mit einem weichen trockenen Tuch abgetupft, damit keine Streifen vom Pinsel zurück bleiben. Die Lasurfarbe muss trocknen, danach habe ich je nach Stuhl oder Brett entschieden, ob noch etwas mehr Farbe drauf muss oder nicht.

Als nächsten Schritt empfehle ich  die Stuhlflächen zu lackieren, ich habe das nicht gemacht, das war ein Fehler. Sobald die weiße Kreidefarbe mit dem braunen Seidenpapier in Kontakt kommt verfärbt sie sich orange und das schlägt auch in weiteren Schichten immer wieder durch. Daher sollten die Papierflächen versiegelt sein bevor man weiter arbeitet. Außerdem lassen sich Spritzer die auf den Stuhlflächen landen dann ganz einfach mit einem feuchten Tuch abwischen.

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Wichtig ist auch nicht nur die Fläche sondern auch  die Kanten und die Unterseite zu lackieren.

Jetzt kann die Kreidefarbe einfach ohne weiteres Anschleifen aufgetragen werden. Ich habe dazu sowohl Pinsel als auch Farbrollen verwendet.

Ich habe drei Schichten aufgetragen bis ich zufrieden war mit der Deckkraft.

Die Oberfläche ist nach dem Streichen ziemlich rau, das macht aber nichts, da jetzt eh alle Flächen angeschliffen werden müssen um den Shabby-Chic-Look zu erstellen. Ich habe 120er Schleifpapier verwendet und dabei alle Seiten der Stühle und der Tischbeine angeschliffen. Die ungleichmäßigen, abgetragenen Effekte entstehen dabei von ganz allein. Achtung, das Abschleifen staubt extrem, man macht es also besser draußen.

Beim Schleifen werden die Oberflächen wunderbar glatt und ebenmäßig, auch kleine Patzer wie Tropfen lassen sich jetzt noch korrigieren. Die Stühle werden vom Schleifstaub gereinigt und als nächstes müssen die Oberflächen versiegelt werden. Dazu habe ich Wachs genommen. Ich wollte nicht dass die Flächen unnatürlich glänzen, wie es bei Lack entstanden wäre, matt wollte ich sie aber auch nicht. Wachs liefert ein Zwischending. Durch das Polieren entsteht ein leichter aber sehr natürlicher Glanz. Ich habe das Wachs mit einem weichen Tuch aufgetragen und nach der Einwirkzeit einpoliert. Das ist ganz schön Arbeit und ich kann nur empfehlen die Wartezeiten nicht zu überschreiten, da das Wachs sonst hart wird und sich schlechter einpolieren lässt. Die Stühle erhalten eine unglaublich angenehme Haptik.

Das Gröbste ist jetzt geschafft. Jetzt wird der Unterbau für die größere Tischplatte angeschraubt. Dazu habe ich zuerst das Brett das an der Außenseite des Tisches befestigt werden soll auf das kleine 40 x 80 MDF-Brett geschraubt. Wichtig dabei ist die Positionierung des schmalen Tisch-Brettes auf dem MDF-Brett. Der Unterbau soll hinterher wenn man seitlich auf den Tisch schaut nicht zu sehen sein. Er ist rechts und links sowieso 5 cm  kürzer als das Brett, das ist also unproblematisch, dazu habe ich den Unterbau seitlich ebenfalls etwa 5 cm eingerückt. Die Schraube habe ich auf dem Brett das für die Tischplatte gedacht ist 20 cm vom schmalen Rand aus und genau mittig also 9 cm von den seitlichen Rändern aus positioniert. Das ist wichtig, weil die Schraube ja sichtbar bleibt.20160322_113342

Klingt komplizierter als es ist, daher habe ich zum besseren Verständnis eine Zeichnung gemacht. Das Gleiche macht man auch mit der zweiten Platte und dem Außenbrett nur eben spiegelverkehrt. Nun wird der Unterbau auf der Platte des alten Tisches fest geschraubt. Dazu müssen die beiden Unterbauten richtig platziert werden. Wichtig ist wieder den Abstand zu allen Seiten gleich zu wählen. Damit die längs laufenden Tischplattenbretter hinterher auch  wirklich drauf passen habe ich sie zur Sicherheit vorher nochmal auf den Tisch gelegt, damit kein Fehler passiert. Wenn die Positionierung stimmt kann man mit jeweils vier Schrauben die beiden Platten am Tisch fest schrauben. Die Positionierung der Schrauben is dabei nicht ganz so wichtig, da man sie später nicht mehr sieht.

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Auch die Tischplatte muss natürlich mit dem klaren Lack lackiert werden.

Zuletzt habe ich Möbelnägel gekauft und mit einer Zange den Stift der Nägel abgeknipst. Mit den übrig gebliebenen Deckelchen der Möbelnägel habe ich nun die Schrauben auf der Tischplatte kaschiert. Ich habe je einen Möbelnageldeckel mit der Heißklebepistole auf eine Schraube geklebt. Das hat den Antiklook natürlich noch verstärkt.

Fertig!!! Das Projekt hat natürlich  etwas Zeit gekostet. Ich habe immer wieder an einzelnen Tagen daran gearbeitet, es ist also nicht an einem Nachmittag mal eben zu bewältigen. Aber es hat sich total gelohnt. Natürlich sind mir kleinere Fehler unterlaufen, die meinen Tisch  unperfekt machen, aber  er ist selbst gemacht und so wie meinen gibt es keinen zweiten 🙂20160315_213103

Vielleicht hat der ein oder andere von euch ja jetzt auch Lust bekommen ein eigenes Heimwerkerprojekt zu starten. Auf die Nägel, fertig, loooos!!!

Viel Spaß dabei,

eure Fen Fire

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